Gebrochene Herzen-Gebrochene Träume Auf dem Weg nach Gettysburg…Civil War IIII

Um 1860 lebten rund 1,3 Millionen in Deutschland geborene Einwanderer in den USA, davon lediglich etwa 72 000 in den Südstaaten. Kurz vor dem Krieg waren Drei Viertel aller Regimenter mit ca. 15 Prozent Deutschen bestückt! Etwa 30 Regimenter bestanden zur Hälfte aus Deutschen! Ebenso viele Regimenter waren nahezu reindeutsche Regimenter (30 000 Mann) mit deutschen Offiziere.

Kleiner runder Hügel

In Erinnerung an Friedrich Wilhelm von Steuben (1730-1794)

„Dann sind Sie also frei?“ fragte sie. „Ja frei bin ich“, sagte Karl und nichts schien ihm wertloser. Sie fuhren zwei Tage und zwei Nächte. Jetzt erst begriff Karl die Größe Amerikas. Franz Kafka

5747 Menschen fielen gleich hier.

27238 Mensch wurden verwundet.

Auf der Einfahrt Arendtsville

nach Gettysburg

gabele ich die Kleine auf

und vernasche sie mit den Augen.

_

Sie erzählt mir, dass sie Oboe

spielt und eine streng gläubige

Lutheranerin ist. Ich frag‘, warum

sie trampt? Sie habe keine Angst,

besonders, wenn der Fahrer

Deutscher ist. Alle ihre Vorfahren

kämen aus Deutschland.

_

Sie will wissen, was ich mache?

Ich sag‘ ihr, dass ich ein Poet bin

und über den Bürgerkrieg schreibe.

Plötzlich zitiert sie die Gettysburg-Adress.

Ich bin beindruckt.

_

Warum ich mich denn für den Krieg interessiere?

Ich sage, weil die Hälfte der Gefallenen

Deutsche und Iren waren. Auch hier in Gettysburg.

_

Nein, sagt sie, sie waren Amerikaner!

Ja, sag‘ ich, so muß es gewesen sein,

sonst hätten sie schon in ihren Herkunftsländern

zu den Waffen gegriffen. Sie ist verblüfft.

_

Ich hätte sie gerne gevögelt.

Sie hatte so etwas frisches, naives, unverbrauchtes,

dass der Teufel in mir besonders mag,

aber ich ließ ihren kleinen runde Hügel brach

und brachte sie brav vor das Tor des Kirchenkollegiums.

Als sie aussteigt, streichelt sie meinen Hund:

„Ist das Deiner? Nee, der kommt aus Schottland!“

General Hood möge mir verzeihen.

Müssen die Geschichtsbücher neu geschrieben werden? Nicht unbedingt, sie müssen einfach gelesen werden! Viele – sowohl Amerikaner als auch Nicht-Amerikaner – neigen dazu, die amerikanische Geschichte zu idealisieren und einen Mythos zu schaffen. Man wünscht sich eine Fortschrittsgeschichte. Die Wirklichkeit ist aber komplizierter – und dunkler. Das kann man in Geschichtsbüchern nachlesen: Zum Beispiel, wie die nördlichen Staaten nach dem Sieg des Bürgerkriegs den südlichen Staaten im Zuge einer Versöhnungsstrategie zugestanden, schwarzen Menschen das Wahlrecht zu entziehen. Dieser Kompromiss hatte bis in die 1960er-Jahre Bestand. Ein anderes Beispiel sind die schwarzen Amerikaner, die in den 1930er-Jahren unter Präsident Franklin D. Roosevelt aus dem Konjunkturprogramm „New Deal“ ausgeschlossen wurden. Als dann vor rund 60 Jahren universelle Bürgerrechte garantiert wurden, waren sie der Auslöser für die Polarisierung der Gesellschaft, die einen neuen Höhepunkt in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen erreicht hat, die Amerika jetzt erlebt.

Vor 87 Jahren gründeten unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation, in Freiheit gezeugt und dem Grundsatz geweiht, dass alle Menschen gleich geschaffen sind.
Nun stehen wir in einem großen Bürgerkrieg, der eine Probe dafür ist, ob diese oder jede andere so gezeugte und solchen Grundsätzen geweihte Nation dauerhaft Bestand haben kann. Wir haben uns auf einem großen Schlachtfeld dieses Krieges versammelt. Wir sind gekommen, um einen Teil dieses Feldes jenen als letzte Ruhestätte zu weihen, die hier ihr Leben gaben, damit diese Nation leben möge. Es ist nur recht und billig, dass wir dies tun.
Doch in einem höheren Sinne können wir diesen Boden nicht weihen, können wir ihn nicht segnen, können wir ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, Lebende wie Tote, die hier kämpften, haben ihn weit mehr geweiht, als dass unsere schwachen Kräfte dem etwas hinzufügen oder etwas davon wegnehmen könnten. Die Welt wird wenig Notiz davon nehmen, noch sich lange an das erinnern, was wir hier sagen, aber sie kann niemals vergessen, was jene hier taten. Es ist vielmehr an uns, den Lebenden, das unvollendete Werk weiterzuführen, das diejenigen, die hier kämpften, so weit und so edelmütig vorangebracht haben. Es ist vielmehr an uns, der großen Aufgabe geweiht zu werden, die noch vor uns liegt – auf dass uns die edlen Toten mit wachsender Hingabe erfüllen für die Sache, der sie das höchste Maß an Hingabe erwiesen haben – auf dass wir hier feierlich beschließen, dass diese Toten nicht vergebens gestorben sein sollen – auf dass diese Nation, unter Gott, eine Wiedergeburt der Freiheit erleben soll – und auf dass die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk, nicht von der Erde verschwinden möge.“

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