Unverfälscht

 

Warum ich kein Kommunist mehr bin (1968 – 2018)

Ich blicke 50 Jahre zurück.
Ich bin älter als ein halbes Jahrhundert.
Ich sah sie kommen und gehen,
die klugen, die gescheiten und die
eloquenten Genossen:

Ich habe sie gehört,
ihre Parolen,
aus ihren Mündern,
ihre Brechtzitate,
auf den Bannern,
habe ich gesehen:
Ihren Märschen
durch die Instanzen
bin ich gefolgt,
hirnlos, treudoof,
Gemeinschaft suchend.

Ich las die roten
und die schwarzen Bibeln.
Ich durchforstete
die Prozessakten der
Verräter, bis in die
Wälder von Katyn hinein.
Ich suchte die Menschen
auf, die sie zur Humanressource
und zum Produktionsfaktor
erklärt haben, mit demselben
zynischen Kalkül, welches
sie ihren kapitalistischen
Feinden vorgeworfen haben.
Ich lernte über den Hungertod
in der Ukraine.

Ich durchkemmte
die Taiga und die Gulags
in Sibirien-
Manifest um Manifest,
Jahresplan um Jahresplan
studierte ich,
und auf einmal wurde
es mir klar;
bei aller sturzbesoffenen
Kadertreue und
Programmvernarrtheit:
Das Ding kann nicht
funktionieren!

Man baut ein Auto
aus dem, was man
hat. Was man nicht
hat, kann man nicht
verbauen: So einfach!

Die Veredelung
einer Ressource
bedarf der Verbesserung
der Technik,
nicht der Moral,
der Ethik oder der Utopie.

Eine gute Erfindung
bringt die Menschen
weiter, als tausend Jahre
Gespräche über den Sinn
des Lebens in Abhängigkeit.

Ihr ködert doch die Menschen
nicht mit besserem Lohn! Wo es
nichts zu kaufen gibt, hungern
die Menschen gleich. Ihr fangt
die Menschen mit der besseren Moral:
Für die richtige Sache legt sich
der Arbeiter zwei mal mehr ins Zeug!

Oh, ich habe gelernt,
und wie ich gelernt habe:
Ich danke Alexander dem Großen!

 

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