Diversität – Das hohe Lied der Vielfalt

 

Sirenengeheul

Oh, wir bejaen die Vielfalt,

aber bitte keine Extrema.

Pluralität ist unser Lieblingswort,

aber wir verachten die Einfalt.

 

Möglichst viel, von allem,

aber bitte nichts toxisches,

bissiges, boshaftes, makaberes.

Wir wollen eigentlich das

wohltemperierte Mittelmaß,

das nicht auffällt und dennoch

Toleranz bezeugt.

 

Bitte keine Taten,

Bekundungen reichen und

natürlich das tägliche Weichspülen.

Wir sind Kosmopoliten, Internationalisten,

Globalisten und echte Weltbürger:

Das waren Imperialisten immer schon

auf Kosten der Ureinwohner und Naturvölker.

 

Der Globus dreht sich nur in einer Richtung,

auch wenn wir so tun, als  spränge er

von Richtung zu Richtung.

 

Wir verkaufen die Einheit der

Mutter Erde als erstrebenswert, weil

wir unsere Unreinheit vor dem bösen

Wesen Mensch retten wollen.

 

Wir sind die Anständigen im

Korsett, hinter Schloß und Riegel,

in den Regalen der Immerguten.

Kriege sind uns eine Last,

darum lassen wir sie andere ausfechten.

 

Sonntags gehen wir in die

Biergärten im Sommer

und nennen den Humpen

heben eine Predigt.

 

Vielleicht waren die

Weltkriege doch nicht so verkehrt,

bedenkt man die Sorglosigkeit,

mit der wir heute die Welt

mit unserer Moral beglücken:

Die vielen Wesen sollen ein

Wesen werden.

 

Wie tragisch,

widerspricht es sich

doch in der Vielfalt;

Vielfalt in Einheit

ist der Betrug der

schönen, neuen, bunten, gerechten, gleichen Einheitswelt.

 

Ich singe dem Odysseus:

„ἐγὼ δ᾽ ᾔτεον σε ἕκαστα παιδνὸς ἐών,

κατὰ κῆπον ἐπισπόμενος·

διὰ δ᾽ αὐτῶν ἱκνεύμεσθα,

σὺ δ᾽ ὠνόμασας καὶ ἔειπες ἕκαστα.

ὄγχνας μοι δῶκας τρισκαίδεκα

καὶ δέκα μηλέας, συκέας τεσσαράκοντ᾽·“

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein, Anarchismus, Ökologie, Demokratie vs. Totalitarismus, establishment, EXIT, Falsche Ansichten, Klimawandel, Kulturkritik, LimitstoGrowth, Maxwells Dämon, Neurosen, Satire, Zynismus

Kommentar verfassen