Emily Dickinson

Für eine Ursprüngliche

1779

To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover, and a bee,

And revery
The revery alone will do,
If bees are few.

(1896)

1779

Die wilden Ebenen des Westens sind eingenommen von Klee und Bienen,
Einem Blatt und einer Biene

und Tagträumen.
Der Tagtraum allein wird reichen,
wenn die Bienen nicht mehr fliegen..

Die Grille sang

Die Grillen sang’n,
im Sonnuntergang,
Und Arbeiter hintereinander,
säumten den Tag aneinander.

An Grasstoppeln hing Tau schwer,
das Zwielicht stand, wie Fremde steh’n:
Mit Hut in Hand, neu und quer,
ob Bleib’n oder Geh’n.

In der Weite, als ob ein Nachbar kam,
wie Einsicht, ohne Gesicht und Nam’,
wie Friede, als ein Teil der Welt:
So hat die Nacht sich eingestellt.

The Crickets sang
And set the Sun
And Workmen finished one by one
Their Seam the Day upon.

The low Grass loaded with the Dew
The Twilight stood, as Strangers do
With Hat in Hand, polite and new
To stay as if, or go.

A Vastness, as a Neighbor, came,
A Wisdom, without Face, or Name,
A Peace, as Hemispheres at Home
And so the Night became.

 

Emily Elizabeth Dickinson

Ein Morgen, den kein Mensch geseh’n

Es gibt den Morgen, vom Mensch’n ungeseh’n:
wo Mädchen auf grünen Wies’n steh’n
zum himmlischen Fest im Mai –
den ganzen Tag verweilen sie
mit Scherz’n, Tanz und freudig’m Spiel;
ich schweig über diese Tollerei.

So leichtfüßig hüpfen sie dort bald,
was nie mehr geht den Anger entlang
und nur gefunden wird im Wald:
Vögel, die der Sonne sang’n
als verstummend im Jahr Spindeln stand’n –
deren Sommer Wogen klang’n.

Nie solch‘ Wunder ich erfuhr,
noch solche Reig’n auf weiter Flur,
noch solche heit’re Pracht:
Als schenkten in der Sommernacht
die Sterne Kelche aus Smaragd,
so durchfeierten wir die Nacht.

So zu tanzen, wie ihr in eurem Gesang,
wie ihr auf den mystischen Au’n,
erbitte ich im Mai.
Ich erwart‘, dass euer Glockenklang
läßt auch mich erschau’n
das andere Morgengrau’n!

There is a morn by men unseen
Whose maids upon remoter green
Keep their seraphic May,
And all day long, with dance and game,
And gambol I may never name,
Employ their holiday.

Here to light measure move the feet
Which walk no more the village street
Nor by the wood are found,
Here are the birds that sought the sun
When last year’s distaff idle hung,
And summer’s brows were bound.

Ne’er saw I such a wondrous scene,
Ne’er such a ring on such a green
Nor so serene array,
As if the stars, some summer night,
Should swing their cups of Chrysolite
And revel till the day.

Like thee to dance, like thee to sing,
People upon the mystic green,
I ask each new May morn.
I wait thy far fantastic bells
Announcing me in other dells
Unto the different dawn!

Bin ein Niemand! Wer bist du?

Ich bin unbekannt! Bist du bekannter?
Bist auch Du ein Verkannter?
Dann passen wir zusammen – sag’s niemand’m!
Versteh‘, sie würden uns verbann’n!

Wie unbedeutend, wenn jemand uns fragt –
Bekannt wie ein Frosch,
Der den liebenlangen Tag seinen Namen quakt,
Den Bewunderern im Tümpelloch!

I’m nobody! Who are you?
Are you nobody, too?
Then there’s a pair of us – don’t tell!
They’d banish us, you know.

How dreary to be somebody!
How public, like a frog
To tell your name the livelong day
To an admiring bog!

 

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