Nice hands

 

Schöne Hände

Mich interessieren

an Frauen weder

Titten, noch Ärsche.

 

Auch Füße und Beine

sind mir egal.

Augen und Lippen?

Einerlei!

Aber Hände! Hände!

 

Nicht Stummelfinger,

Wurstfinger,

rot unterlaufen,

kalt oder schlecht

durchblutet.

Nicht diese ungelenken,

kindischen,

flapsigen Gesten!

 

Nein, die langen,

schlanken, feingliedrig’n

Hände sind’s,

die mich begeistern,

in ihrer Sehnigkeit,

in ihrer Adrigkeit.

 

Hände, die gesehen haben,

die Arbeit

und die Liebe.

Die Obst und Gemüse

ergriffen

und das Messer

der Teilung.

Hände, deren Flächen

tief in den Sand

von Meeresbuchten

stoben.

Hände,

die Blutung gestillt

und Tod begruben

und Leben zur

Welt brachten.

 

Spitz und strebsam –

gotische Hände!

 

Hände die Krüge

formten

und Lehmziegel.

Die das Holz über

den Flammen bogen

und die Trossen

auf die Schiffe

zogen.

 

Erfahrene Hände

haben immer schöne

Gesichter am anderen Ende.

Das hab‘ ich von Dürer gelernt.

 

 

Mutters Hände

Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt un jenäht
un jemacht un jedreht…
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält…
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßem Schkandal
auch’n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben…
Alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wir nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Autor: Kurt Tucholsky (1890-1935)
Titel: Mutters Hände

 

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