Virginia – Sic semper tyrannis

Writing is a fine therapy for people who are perpetually scared of nameless threats… for jittery people. William Styron

 

 

 

Home match

 

Sie kämmt sich das Haar,

minutenlang,

wie eine Fee, Göttin oder

Abgöttin. Sie prüft den

Sitz ihrer Titten unter

dem Shirt. Schminkt

sich nach. Leckt sich

wie eine rollige Katze

die Lippen und grimassiert.

 

„Evangelina, können wir

endlich?“-„Gleich, einen

Moment noch, sei nicht so

ungeduldig!“ – Als ob

ich ungeduldig bin! Sie wollte

doch nach Petersburg zu diesem

„Reenactment“!

 

Seitdem ich durch dieses Land kurve,

hab ich zum ersten mal Lust,

alles hinzuwerfen. Ich bin kein

Patriot, und der Bürgerkrieg

interessiert mich nicht.

Überall neugierige, offene

Menschen, die fragen, wohin

es des Weges geht. Es juckt in

ihnen alle der Drang zu Entdecken.

 

Vorgestern in Quantico

erzählte sie mir, was so alles

wächst: Tabak, Baumwolle,

Erdnuss, Mais, und Weizen…

„Wir sind im Herzen der USA,

mein Schatz. Ich bin hier geboren

worden!“-„Wo denn?“ -„In Salem!“

 

-„Ich dachte das liegt in Massachusetts?“

-„Virginia hat auch eins, im Shenandoah Valley

an den Blue Ridge Mountains!“

Wow, ich bin verblüfft,- eine

Amerikanerin, die das Herz

der Finsternis kennt und

aus Salem kommt. Mich fröstelt es.

 

Wenn das Herz aus Militärbasen,

Hangars und Denkmälern besteht,

dann hat sie wahrlich recht. Sela!

 

„Wie seh ich aus?“

„Wir fahren zu einer

Schlachtendarstellung,

und Du fragst mich wie

Du aussiehst?“

„Komm schon, sag´s!“

 

„Umwerfend!“

Sie grinst, und ich

denke mir, daß ich

heute noch eine ganze

Menge Nordstaatler fallen

sehen werde, zum Spaß.

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein, Amour fou, Übertragung, Beziehungsgewalt, Falsche Ansichten, Gender, Kulturkritik, Neurosen, Popkultur, Pornograpie, Rassismus, ZEN

Kommentar verfassen