Toba, see you later!

 

„Du ewiges Geschehen nutzloser Katastrophen! Ihr ruft: ‚Alles ist gut!‘ Getäuschte Philosophen, kommt her und schaut euch an: entsetzliche Ruinen, die Scherben und der Schutt, von Asche die Lawinen, und Schicht auf Schicht gehäuft die Kinder und die Frauen, zerstreuter Gliederstaub, vom Marmorstein zerhauen.“Voltaire über das Erdbeben von Lissabon

 

Kataklysmen II

 

Eine Ursache setzt die nächste!

Ein Unglück hindert andere!

Ein Schrei vergeht!

 

Wenn der Ausbruch eines Supervulkans

einen Atomkrieg verhindert,

die Klimaerwärmung aufhält

und 1 Mrd Menschen tötet,

dann hast Du verstanden,

was Glück im Unglück

heißt!

 

Der stetige Schweiß

ist nicht zu verhindern,

im schwülen Klima

der Selbstverliebtheit;

hitzige Poren verknoten Ohren.

 

Keiner hört den Propheten gern

und die Botschaften der Asche

lesen Archäologen später, fern.

 

Als Menschen Pompejis

in Slomo erstarrten,

rissen Lungen,

verbrannte Haut,

Haus und Hof verharrten,

Roms schönster Besitz,

gegossen in Zeit!

 

Und dennoch wars ein

Segen, der Kriege wegen,

die in Schwebe hingen,

weil Ressourcen vergingen.

 

Wacht auf,- denn ihr träumt verkehrt!

Schlaft nicht,- weil ihr tanzt auf Vulkanen.

Seid ihr nicht bei Trost? Ihr könnt nicht mal

Euer eigen Unheil, aus Hybris gequollen,

bannen und glaubt Natur ein Halsband aufzuzwingen?

 

Sie scheißt Euch aus, durchkaut und wieder verschluckt,

bis sie Euch mit Feuer bespuckt und ihr

zur Asche werdet, die das Fieber kühlt,

gespeist aus Euren Motoren!

 

Ihr seid so blind, wie´s nur Kinder sind,

die unverdrossen auf Rechte harren,

die nicht im Angebot zu finden sind.

Eis haben wir nicht,- gegrillt wird erst morgen!

Wasser gibt es nicht,- teile mit Anderen Sorgen.

 

Nein, so wird es nicht kommen,

dass die Erde an Euch zerbricht!

Helden und Titanen,

mit Blümchen oder Speeren,

kreisen auf anderen Bahnen,

diese Erde braucht Euch nicht!

Ihr braucht sie; sie wird sich wehren,

und Euch das Beten wieder lehren!

 

 

Wacht Auf!   von Günter Eich

Wacht auf, – denn eure Träume sind schlecht!
Bleibt wach, – weil das Entsetzliche näher kommt.

Auch zu dir kommt es, der weitentfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiß.

„Oh, angenehmer Schlaf
auf dem Kissen mit roten Blumen,
einem Weihnachtsgeschenk von Anita, woran sie drei Wochen gestickt hat,

oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern abend:
Osterlämmer, erwachende Natur, Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,
Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen, –
das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.

Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!
Auf ihm vergißt man das Ärgerliche der Welt, jene Nachricht zum Beispiel:
Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:
Die Frau, Mutter von sieben Kindern, kam zu mir mit einem Säugling,
für den sie keine Windeln hatte und der
in Zeitungspapier gewickelt war.
Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.
Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter liegt als der andre.
Und was kommen mag, unsere Enkel mögen es ausfechten.“

Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

 

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