New York – Excelsior

„Dream tonight of peacock tails, / Diamond fields and spouter whales. / Ills are many, blessings few, / But dreams tonight will shelter you.“ Thomas Pynchon

 

Eigentlich Radio-Folter

 

Evangeline hört Radio,

seit wir Long Island

verlassen haben, seit 14

Stunden, ununterbrochen,

während ich lenke, gegen

Starkwindbänder, die von

der Seite drücken.

 

Highway 9 bis Albany

und dann die Route 20 an

den großen Seen entlang.

Sie will Abstecher machen,

alte Freunde besuchen

und mir Sehenswürdigkeiten

zeigen… eigentlich

ich will meine Ruhe, die

ich nicht bekommen werde.

 

Im Kaleidoskop der Rücklichter

erkenn´ ich nur noch

glühende Kohlen, aus meinen

Erinnerungen gefallen, im verschleierten

Blick, tanzend wie Kastanien

auf dem Rüttelsieb meiner

Großeltern.

 

Dieses Gebiet ist groß und

menschenleer, eigentlich

ideal für Mörder. In den

Towns und Villages

kennt wohl jeder jeden,

aber dazwischen……

 

Der Rostgürtel ist

geschruppt und eingeölt,-

die Staubschüssel

ausgeschüttet….immer nur

Schilder und Anklänge

von bekannten Namen,

als wäre man Claquer

in einer Sitcom und

immer noch dieses Radio…

 

Ich frag´, ob sie nicht

schlafen will,-

aber sie ist aufgekratzt

von Taurin, Cola und Prozac…

 

Ich frag´ genervt weiter, warum

sie das Zeug eigentlich

schluckt; sie wirke nicht

depressiv…

 

Sie sagt, daß ich die

amerkanische Seele

nicht verstünde.

 

Amerikaner seien das,

was sie tun und haben

sie keine Arbeit mehr,

mit der sie sich identifizieren

und auf die sie stolz sind, dann

bliebe nur noch Gott oder die Drogen.

 

Ich solle froh sein,

sie aufgegabelt zu haben.

Sie sei sexy, jung, habe Bildung und

anderes…..

 

Ich frag´sie, wie sie

eigentlich mit Nachnamen

heißt. -„Schön, daß du mal

fragst, Tinasky!“

 

Jetzt würde ich eigentlich gerne anhalten

und weiter in Gravity’s Rainbow

lesen, doch Evangeline Tinasky

motiviert mich wieder

weiterzufahren, indem

sie mir Gaddis

zitiert:

 

„Ich … kann mich ganz gut damit abfinden,

dass unser Universum völlig chaotisch ist,

dass unser Dasein keinerlei Sinn hat …“

 

 

 

Für Thomas Pynchon

 

Träum von Pfauen-Rädern, heute Abend,

von Diamant-Feldern und Ölquell-Walen.

Segnungen wenige, vielerlei Qualen;

Träume werden dich behüten, heute Abend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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