Arizona – Ditat Deus

„Ich sah die besten Köpfe meiner Generation zerstört vom Wahnsinn, hungrig hysterisch nackt, / wie sie im Morgengrauen sich durch die Negerstraßen schleppten auf der Suche nach einer wütenden Spritze“ ―Allen Ginsberg

 

Im Vorübergehen für Allen Ginsberg Freundin Evangelina

 

Sonnenblumen neben der Eisenbahnstrecke,

Sonnenblumen geben das zurück,

was ein Adonis für den Alleinreisenden so bietet,

wenn er durchs Zugfenster sie ausspioniert,

während sie auf dem Weg zu einem anderen Gleis ist,-

Sie wundert sich, daß sie so reagiert, wie Du einst,

verwurzelt auf Deinem Stück Erde,

würde sie glücklich sein,

wäre sie zufrieden,

die Welt an sich vorbeigleiten zu lassen, ohne Reue?

Für einen Moment denkt sie,

es entscheidet sich so, wie sie es nie könnte,-

dann wendet sie sich wieder Deinem Gedichtband zu,

um sich daran zu erinnern, wie schwer es war hierher zu gelangen,

und das Blumen ihre Standorte haben, wie Menschen auch,

und sie kann nicht beliebig tauschen, ihren für einen anderen,

selbst wenn sie wollte.

So ist das eben!

Ihre Mutter lehrte ihr dies.

Heute endlich glaubt sie ihr.

Obwohl sie sich wünschte, es nicht zu tun.

Mit dreiundfünfzig fühlt sie die Pflicht, sich

gegen diese unvermeidlichen Abläufe auflehnen zu müssen.

Sie spürt es dann immer, wie es ihr in die Knochen fährt,

ihre Aterien verengen sich, und die Vorstellungen einer

Krebserkrankung wie nach dem Lehrbuch stellt sich ein.

Sie hofft dann immer, es möge ihr niemals widerfahren.

Als sie sich zum Fenster umdreht,

um einen letzten flüchtigen Eindruck der Sonnenblumen zu erhaschen,

schickt sie ihre Gedanken auf eine Reise

von der sie weiß, daß sie niemals zurückkehren werden,

einfach weiter und weiter

und noch weiter, einfach.

 

Passage for Allen Ginsberg

Sunflowers beside the railroad tracks,
sunflowers giving back the beauty God gave you
to one lonely traveler
who spies you from a train window
as she passes on her way to another train station.
She wonders if she were like you
rooted to your bit of earth
would she be happy,
would she be satisfied
to have the world glide past and not regret it?
For a moment, she thinks so,
then decides that, no, she never could
and turns back to her book of poetry,
remembering how hard it was to get here
and that flowers have their places as people do
and she cannot simply exchange hers for another,
even though she wants it.
That’s how it is.
Her mother told her.
Now she believes her,
although she wishes she didn’t.
At fifty-three, she feels the need
to rebel against the inevitable winding down.
She already feels it in her bones,
feels artery deterioration, and imagines
cancerous indications on medical charts
she hopes will never be part of her life,
as she turns back to the window
to catch the last glimpse of the sunflowers
that sent her thoughts on a journey
from which she knows she will never return,
only go on and on
and then just go.( Ai Ogawa)

 

 

 

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