Mississippi: Virtute et armis

Auch in Scheiße wachsen Rosen

 

 

Nach fünfzig Jahren  (Evangeline from the Old South)

 

Ihr Haus verlassen, ihr Herz ist alt,

voller Widerhall der Schatten, die kleben.

Niemand behütet sie, doch sie will weben,

mit blinden gichtigen Fingern, Netze ohne Halt.

Einst, so wird erzählt, rangen um sie alle Männerarme,

sie war Schwärmen weißer Vögel gleich, der Liebestropf:

Sie hätte eine Krone haben können, für jeden Zopf

in ihrem Haar und goldene Hexenreifen für ihre Arme.

 

Ihre Spiegel kennen die Zeugen, die aus einem

Träumen aus Träumen stiegen; sie verliehen

ihr Milde, im Drang, bekrönt von weichem Haar zu sein.

Und mit gebundenem Herzen und junger Augen Huld,

so geblendet, fühlte er ihre Gegenwart, vergossener Kult,

fängt ihm Körper und Leben in ihren Schlingen ein.

 

After Fifty Years

Her house is empty and her heart is old,
And filled with shades and echoes that deceive
No one save her, for still she tries to weave
With blind bent fingers, nets that cannot hold.
Once all men’s arms rose up to her, ‘tis told,
And hovered like white birds for her caress:
A crown she could have had to bind each tress
Of hair, and her sweet arms the Witches‘ Gold.

Her mirrors know her witnesses, for there
She rose in dreams from other dreams that lent
Her softness as she stood, crowned with soft hair.
And with his bound heart and his young eyes bent
And blind, he feels her presence like shed scent,
Holding him body and life within its snare.

William Faulkner

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