Banlieues: Deutschland ist durchaus Frankreich

Schreihälse! Il ne dépend pas de toi d'être riche, mais il dépend de toi d'être heureux.

Schreihälse! Il ne dépend pas de toi d’être riche, mais il dépend de toi d’être heureux. Paris brûle!

 

Das trunkene Ghetto! (Beobachtungen in Essen)

 

Sie rutschen ab, auf halben Wegen:

Sie spüren Halt, Gemeinschaft nicht mehr;

Sie markieren wilden Mann, machen auf

dicke Hose und bepinkeln Kübelterritorien.

*

In Durchgängen rotten ihre asozialen Wesen und spielen

Underdogs, als wären sie Baumwollpflücker

in Alabama, besoffen von Fusel, wenn Allah nicht

hinschaut. Dealer, Wächter im Umkreis und Meister

*

über Angst anderer, die mitspielen. Sie kennen

Schaum vorm Mund; Kinderhirntaub: Schmutz

und Hass, gegoren auf aussichtslosen Bänken, nur mit

Sieg der Faust vertraut, staubig, lärmend, hassend, naiv.

*

Sie finden Geschmack an Frauen, nur wenn es stürmt

zwischen Beinen. Sie loopen Rap, wie Korken

auf Wasser. Elendes Bespeicheln der Manneskraft,

bis blödes Taschenlampenlicht erlischt, über Opfer.

*

Als wären Körper Äpfel, so zermatschten sie Kiefer und Augen

derer; Metallzunge – roter Schwall – Uhrwerk tickt;

nach Badesalz gelbbekotzt, nicht behaltend Elend dieser

Nacht, steuern sie nächsten Zeitvertreib an, ankerlos.

*

Losgelöst schwimmen sie im Wohnlichtmeer,

-sternenhungrige, milchige Luft; es dampft

aus dem Aluminiumwerk, pfeiffend wie

sterbende Lungen: BahnhofsSchnatternMetro.

*

Im tönernden Hall-Gefälle, Schichtarbeiter;

so viele gehen leer aus und warten auf´m

Proletenstrich unter derselben Brücke:

Trinken Snaps mit Kaffee im Boomboxsound.

*

Über derben Häuptern, Caps und Neon-Takes,

folgen brüchig-feuchte dunkle Augen Scheinwerfern;

Bremslichterschlange bis in die City; kaum einer

hält an. Bleiche Taubenscheiße am Bordsteinrand.

*

Konkurrenz ist groß. So ist Stubsen und

Drängen normal, hält ein Rettungsfloß an:

Gesten schaudern schaukeln und schaufeln hilflos

bis in Dämmerung hinein. Wieviele gehen leer heim?

*

Wer Glück hat, landet auf´m Gemüsemarkt, auf´m

Bau oder im Hafen; verkohlter Haut

gehört Schwarzarbeit. Unglaubliche Verschwendung

des Lebens: Phosphoreszentes Sneakers-Getrappel.

*

Monde für Monde derselbe Wellengang der

ahnungslosen, hoffenden Herden: Wer nichts

ausrichtet, stürmt zurück in die Vorstadt mit Hass;

Riff leuchtender Mäuler und Füße.

*

Grüne Wörter blinden Gottes heiligt

Gegrechtigkeit und aus Frauenschuh und

Löwenmäulchen, weher Duft arabischer Märchen,

auf gekachelten Brunnen, um unersättliche Füße zu laben.

*

Vorstadt dampft und gärt: In ihren Haustüren,

ungeleerte Reusen, faulende Möchtegern-Leviathans.

In aller Stille, nach dem Gebet, strömen sie erfrischt

aus Moscheen, ihrer Väter, gottgefällig, masterplangesättigt.

*

Waschung, Waschung, Waschung- Knieung

Knieung Knieung, wie gestrandtete Walkiefer,

diese geknechteten, devoten Krüppelrücken um

Wohlwollen eines mittleidleeren, geruchslosen, Wanzenfressers bittend.

*

Versprochenes, hohles Paradies, Kindern

eingebläut, singende leierende Schülerschaft,

Züchtigung ohne Halt in Sitte, ohne Festigung durch

Anfechtung. Schaumbärte, Engelsflaum, ohne Zucht.

*

Ihre müden Gesichter von imaginärer Macht

gepeinigt, von realer Armut bedrängt, Schatten

ihrerselbst. Sieh! Ihre Glaubenssaugnäpfe steigen

Frauen auf die Knie; infantile Bettelblüten, ekelhaft.

*

In ihren Kästen herrscht Zank und Streit hinter den

Türen, niedergeschrieen, niedergeknüppelt zurecht;

Wer hat Schuld, wenn kein Geld da ist für Kinder,

Bildung und Achtung? Beschissenes Band der Familie.

*

Dies Viertel ist verloren in reingebissenen Labyrinthen,

selbst Vögel meiden Klippen der gottlosen Türme.

Hier sieht niemand morgigen Tag. Komm bloß

durch den Tag, ohne blutige Nase und gebrochene Finger.

*

In irgendeiner Ecke, Glutklumpen und Rauch; sie

bekiffen violetten Verstand. Graffitis

schimmern schamrot in Feuerzeugflammen;

Schmutz, dieser Grind, ambivalenter Himmelsrotz.

*

Leichter Wind watscht Fluchten ab; Irrläufer liften

die Krägen.“Novemberhitze“ meldet sich an, zitternde

Hände tauschen Kristalle und Bonbons. Dämon der Albträume

pflanzt seine Jenseitsbäume in Hirne dieser Zöglinge des Zorns.

*

Im mächtigen Strudel der Mahl-Kreisläufe ohne Ziel und Ausweg;

es ächzst Husten. Müde grippale Augen, ziehen

und biegen an Linien der Architektur: Europa, hier wächst

in Reglosigkeit der Untergang, den keine Deiner bewehrten Künste

*

aufhält. Rache für afrikanische Nächte, für

Kaki-Gejohle unter Beduinenröcken. Blindes Morden um

Ressourcen: Oh Zukunft! Schwärme der Entwurzelten

sind Deine nächtliche Gegenwart; schlaf weiter in Verbannung!

*

Unter funkelbefreitem Himmel beten sie und verbitten

sich weitere Demütigung. Aber Zins will bedient

sein! Schlaf weiter Europa, falle in Ohmacht unter

grausamen Mond und bitterer Sonne, Qualen kommen!

*

Gestade Djerbas gehen unter. Erinnerungen

an Kasbah verwaschen in Hagelpfützen;

traurige Kinder spielen kauernd Heimfahrt;

Papierschiffchen, vollgesogen, kentern in Dämmmerung.

*

Luft ist getränkt vom Grasgeruch; Wehmut windet

sich um Betonsäulen. Stolz bricht an Realität

entzwei; man hört Kopftücher von Balkon zu Balkon krakelen.

Kinderblicke dümpeln heimatlos Etagen ab.

 

 

 

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