Wirklichter Dichter – der einsamste Job dieser Welt

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Ich bin ein Star – ich hol mich hier raus

 

Vorwort irgendeines typisch gekränkten, weiblichen Lyrischen-Ichs aus dem Off, verliebt in die eigenen Illusionen:

„Radikaler Konstruktivismus setzt auch eine ungeheure Naivität voraus, eine kindliche Egomanie – ohne jegliche Empathie. Das ist ein trauriges Spiel. Es scheint, als würdest Du alles, was mir wirklich etwas bedeutet, systematisch abarbeiten. Ich hab gerade keine Lust mehr am Spiel. Das geht mir zu weit. Ich geh schlafen und reflektiere das Ausmaß meiner Naivität. Hast Du das Spielchen schon oft gespielt? Du bist wirklich gut darin. Aber ich frage mich: Macht das auf die Dauer wirklich Spaß? Es ist letztlich so unbefriedigend, oder? Irre ist die neue Normalität! Wurde ja schon gestern ausgelobt! Nacht!“

 

Steinbruch: Verklärung eines Scheiß Lebens als Dichter in den Zeiten der Sklaverei, im Leben und im Tod immer wieder mal mißbraucht

für Marie Bonaparte

„Wer auch immer sie geschrieben hat – ist ja eigentlich völlig wurscht, wer. Ich verstehe dieses Interesse an der Person des Autors ohnehin nicht. Der Positivismus hält sich in der Schule jedoch hartnäckig und in den Köpfen der meisten Leser ebenso… Das muss man Schülern erstmal austreiben!“ S.M-T.

 

4

Immer zum Vergnügen der anderen,

um Bestätigung kämpfend und

Mißachtung erntend, – was weißt Du

schon von meinem Waisen-Leben, Leser!

 

6

Was weißt Du von den Dämonen, von

meinem Mündel-Herrn in meinem Hirn gesetzt,

über Orakel gegen meinen kindlichen

Kopf geschleudert, die mich in Absinth

und Laudanum fliehen ließen, um meine

Bestimmung zu finden, in menschlichen Tabus?

 

6

Der Rausch, meine einzige Zuflucht, um zu

ertragen, meine Existenz als versagender Verleger,

Kritiker und Dichter. Dieser stetige Druck, allen

zeigen zu wollen, daß ich es kann und doch nur

angwiderte, unverständige Blicke zu ernten – ein paar

Pennys, die ich gleich wieder versoff in Spelunken.

 

6

Was weißt Du von meinen Ängsten und zwanghaften

Trieben, versteckt in Gedichten und verschachtelten Sätzen,

täglich aus mir getrieben, um nicht zu ersticken an dem

Unvermögen, eine Frau zu berühren, einen anderen Menschen

mir nah sein zu lassen, jenseits von Konvention, am hellichten

Tage, nachdem ich die Gemächer des Rausches erleichtert verließ?

 

6

Oft zitternd im Regen, die täglichen Prügel vergessend, nicht

wissend, wohin, so stand ich an Wänden, in Gassen der Schande,

wo billige Mädchen, die Zeit mir vertrieben, in flüchtigen Reden,

die niemand verstand, der mich wirklich gekannt. Ich schlüpfte

in Rollen, spielte Herren und Narren, der Logik verfallen, in den

Nöten, aus Mord und aus Töten, das Grauen zu sehen, mit Verstand.

 

5

In jedem Gedicht, das ich schrieb, aus der Grube meines Lebens,

in jeder Geschichte, die mich trieb, aus der Höhle meiner Ängste,

war dennoch nur Scham meiner Laster, verklebt mit dem Zaster,

abgerungen dem Opium und den Spielen und der Sucht in Träumen

zu sehen, was noch nie jemand erkannt. So bin ich´s des Todes

 

5

schon im Leben gewesen und unendlich beschämd, nicht niemals

jemand gewesen, dem Achtung geschenkt. Nach meinem Tod dann

erstiegen, aus Gräbern aus Wörtern, mein Leben umsonst als Leben

gefühlt: Was weißt Du schon von meinem Leben, süchtiger Leiden!

Zu spät, viel zu spät, als wertvoll besehen, als würdiger Dichter erkannt.

 

2

Dieses Absaugen von Leben der Genies, die nie sein durften, wie sie waren, weil

sie waren, wie sie waren ist das Geschäft sinnloser, skrupelloser Öder:

Literaturwissenschaft.

 

„Edgar, solltest Du wieder durch diese Straßen streifen, fürchte ich, wirst Du auch wieder süffeln, so lang, bis Du ganz von Sinnen bist. […] Auf keinen, der vor dem Frühstück trinkt, ist Verlass!“Thomas W. White

„Du kannst etwas, was nur wenige andere können. Und Du machst etwas, was so vielleicht viele versuchen, aber nicht gut können. Dann nenn es eben Vermögen, wenns Dir lieber ist. Oder Fähigkeit. Oder Technik.“ S.M-T.

 

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Nachwort irgendeines typisch gekränkten, weiblichen Lyrischen-Ichs aus dem Off, verliebt in die eigenen Illusionen:

eine Antwort auf Deine Antwort:

Du steckst Deine Grenzen ab, ich meine. Konstruiere, was Du möchtest. Ich weiß Stories zu goutieren (die Schlingensief-WG-Story war echt lustig) aber lass die Bereiche raus, die mich privat berühren. Priessnitz‘ Tod als Material geht einfach zu weit. Und wenn es zu weit geht, macht es mir keinen Spaß mehr, womit unser ganzes Geschwätz obsolet wäre. Und was den ‚angeblichen‘ Widerspruch angeht, so ist der darauf zurückzuführen, dass Du die Ebenen Autor als lebendes Wesen – Autor als Hersteller eines Textes – Text – Verständnis der Konstruktion des Textes – Leser nicht auseinanderhältst. Wie auch, wenn alles Konstruktion ist? Dann passt es eben nicht in Dein Konstrukt, dass andere anderes konstruieren und diese Ebenen sehrwohl differenzieren und ihre Position im Blick auf diese formulieren. Zudem finde ich es völlig daneben, dass Du Sätze aus privaten Chats zur Konstruktion verwendest. Ich hab sie nicht ‚veröffentlicht‘. Google doch mal ‚ethischer Konstruktivismus‘. Sollte indessen Dein primäres Ziel die Provokation zum Zwecke Deiner solipsistischen Befriedigung sein (Stichwort ‚Selbstverliebtheit‘), such Dir eben einen anderes virtuelles Gegenüber!

 

Dir gehört die Sprache nicht, sie ist geliehen!

Copyright Fabian Fabioli

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