Cighid, mon amour!

We are liar, by god!

Dort herrscht Unmenschlickeit, wo der Mensch mit aller Verblendung herrscht.

Sie werden niemals einen Preis gewinnen.

Und niemand jubelt ihnen zu.

Sie sitzen halb verhungert eingesperrt

in vollgekoteten Zimmern und warten

auf den Mann, der die Leichen abholt.

Sie werden niemals eingeladen, zu einem

Kongress für Menschenrecht über Menschenrechte

zu sprechen, obwohl sie am besten wüßten,

was Menschenrechte wirklich wert sind.

Manche erlernen einen Beruf, einge bekommen

vielleicht auch einen Job, aber die meisten werden

ihr ganzes Leben lang auf andere angewiesen sein.

Hassen wir die, die Hilfe brauchen, so sehr?

Wahrscheinlich nicht. Sie sind uns peinlich, unangenehm,

weil sie nicht „normal“ sind. Sie tragen das Stigma

der Idiotie, der Minderbemittelung. Sie sind die

Zurückgebliebenen, die wir nicht vor uns auf dem Weg

nach oben sehen wollen, wie sie unsere Gier belächeln.

Manchmal weine ich sehr still vor mich hin:

Ich erinnere mich an Richard Dege, Jörg Pulverman,

Harald Lück. Ich erinnere mich an Haus Ebenezer

und die hängenden Strassen von Bethel.

Pfarrer Fritz muß Blut und Wasser geschwitzt haben,

als die Güterwaggons in Bielefeld standen.

Die Gespräche mit dem SS-Obersturmbandführer

dauerten eine Nacht. Was er ihm versprechen mußte,

damit er nicht alle verladen ließ, wissen wir heute

immer noch nicht. Vielleicht wollen wir es auch

gar nicht mehr wissen.

Shalom, ihr weißen Kreuze in Cighid, Schalom.

„Darum können und wollen wir uns der Verantwortung für Schuld und Schicksal unseres Volkes nicht entziehen. Wir wollen uns auch nicht mit dem Hinweis darauf decken, dass wir vieles nicht gewusst haben, was hinter den Stacheldrähten der Lager und in Polen und Russland geschehen ist. Diese Verbrechen sind Taten deutscher Männer und wir haben ihre Folgen mitzutragen.“[7] (Pfarrer Fritz)

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