An Ihrem Früchtchen werdet Ihr sie erkennen! Matthäus 7,16

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Odysseus und die Sirene

Sei tapfer junger Held;

das Verheissungsvolle

lockt auf die hohe See,

seine Gesänge ziehen

in die Tiefe: Sei tapfer!

Viele Versprechungen,

viele Nöte: Das ist kein

guter Grund, den Gesängen

zu folgen. Sei standhaft,

mein junger Recke, es wird

kein süßes Wasser deinen

Durst löschen, deine Lippen

kühlen. Standhaft bleiben!

Sie singt, nicht um Dich

zu retten, sie singt, um Dich

zu töten; Sie lebt von Deinem

Blut, deinen Hoffnungen,

Deinen Ängsten, sei klug!

Ihre Gesänge locken

verführerisch und verheissen

große Hilfe. Hast Du je von

der Hilfe der Sirenen gehört?

Klug sein, Junge, klug sein!

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Der timotische Zorn

Im Anfang war das Wort Zorn,

Bruder Achilleus:

Menschsein heißt reichsein.

Du bist in der Welt,

Du bist Mitbesitzer des Kosmos,

wenn auch Trojas Tore

noch geschlossen sind:

Du wirst Sie öffnen!

Also, schenke, gebe hin!

Dein Leben, ja, Deine Kraft!

Sei des Tages Glanz,

sei der Nacht Gnade!

Töte die Feinde und lasse

Blutströme uns reinigen,

von Selbstgefälligkeit und

Genügsamkeit: Kämpfe!

Zünde die Feuer an und lasse

die Flammen unsere Toten

verzehren. Den Göttern ist nicht

nach Rache über den Tod hinaus.

Der Groll war gerechtfertigt,

als Aganemnon Dir das nahm,

was Dir zustand. Könige erkennen

nicht die Hoheit an, die im Gegner

ist und Zorn der Gerechtigkeit

folgt dem Hass auf dem Fuße!

Sklavinnen gehören

sich selber nicht und auch dem

Herren sind  sie nicht Diener.

In jedem Weib die Sklavin ruft,

nach harter Hand, die die brüchige

Welt zusammenhält und gewährt,

was die Brut ernährt.

Der Eros ist gierig,

mein alter Kampfgenosse.

Das Numinose, Unausprechliche

zahlt nicht aus,

nach Heller und Pfennig.

Freiheit gibt es nicht auf Pump

und läßt sich nicht auf lange

Bank verschieben.

Das Leben quillt,

mein Bruder,

in Übung und Sieg;

der Timos ist beleidigt,

wie ein unwirscher Fisch

in  Eisesflut: Wir gebären

Geschichte, von  den Erniedrigten

und Beleidigten genährt: Weltgericht,

wir erwarten Dich!

So rollt bleidigte Gier

heran, wie eine Flut

von alten Rechnungen,

und wir verteilen Almosen,

anstatt das Schwert zu schleifen!

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