Die deduktive Twitter-Häresie, die den Monotheismus entlarvt

Der Logos ist mit den Gottlosen
Der Logos ist mit den Gottlosen

Der eine Gott, der sich allmächtig selbst aufhebt!

Ein Abriß monotheistischer Fehleinschätzungen zu Sayyid Qutb: Der Kampf zwischen Islam und Kapitalismus

Peter Sloterdijk über Sayyid Qutb (2009): „Nach wenigen Kapiteln ist der Leser benommen, ja fast betäubt von dem autohypnotischen Qualm einer Persönlichkeit, die ihre Phantasmen hinschreibt, als wären sie Zeichen spiritueller Berufung, während sie kaum mehr als neurotische Symptome sind. Noch in der Übersetzung kommt das puritanische Vibrato des Self-Made-Theologen beklemmend zur Wirkung.“

1. Motivation

Der Monotheismus lebt davon, den Gläubigen in der Spannung zwischen „freien“ (besser eigenem) Willen und Gehorsam zu halten, wie ein Hamster im  Rad. Der muslimische Monotheismus läßt den Gläubigen zwischen Ḥarām (Tabu) und Halal (Erlaubtem) hin- und herrennen. Angst überall! Christlicher Monotheismus läßt den Gläubigen zwischen Liebe (Agape) und Gnade (Charis) hin- und herrennen. Unwürdigkeit/Unfähigkeit überall! Jüdischer Monotheismus läßt Gläubigen zwischen מצוה (Weisung) und פֵּירוּשׁ(Interpretation) zwischen den Rabbinern hin-und herrennen! Fragen überall! Das Versagen in diesem dualistischen Wettlauf nennen alle diese Religionen Sünde. Für diese Sünde verlangen sie eine Strafe. Die einen nennen sie Buße, andere Gerechtigkeit Gottes oder auch Sharia. Es besteht ein Unterschied in den Höhen der Strafen. Es gibt sozusagen Fallhöhen für unterschiedliche Sünden. Der Islam neigt bis heute immer noch zu drakonischen Strafen, während die anderen beiden Religionen durch humanistische Säkularisierung besänftigt wurden.

2. Dialektik

Die Dialektik des Monotheismus ist die unterhaltsamste und tragischste Form des Selbstläufers, die die Menschheit erfunden hat. Man dürfte den Monotheismus durchaus locker nehmen, da die Forderung, nach der  Einzigartigkeit Gottes, der Pluraliät des Lebens offensichtlich widerspricht. Man sollte die Bibel, den Tanach oder den Koran so lesen, wie etwa Tolkiens „Herr der Ringe“,- eben als Vorlage für archaische Rollenspiele.

3.Psychologie

Monotheismus ist eine Art Schuldversprechens-Schach für Menschen, die sowieso immer nur gegen sich selber spielen, aber dringend nach Zuschauern Ausschau halten. Die Geisselung des intimen Schuldbewußtseins ist der tiefste Sinne dieser Religionen, deren Wächter die Theologen sind. Kein Gott ist es wert, daß man lange um ihn weint. Monotheismus hat eine klar definierbare Begrenzung in einem männlichen Gott. Diese Grenze wird stets immer wieder aufgeweicht, z.b.durch eine Mutter Gottes, wie Maria, einer sogenanntenPatriarch(in). Frauen (anima) streben ja ebenfalls nach der Ermächtigung durch Heiligung, die es ja gar nicht braucht, da niemand krank ist.

4. Verhältnis zu anderen Religionen

Wenn Morphologismus auf Monotheismus trifft, haben wir die perfekte Form des Okkultismus und der Esoterik. Gestalt wird Form im Götzen z.b. Moloch. Eine wichtige Erkenntnis über den Monotheismus ist seine Dehnbarkeit in den Insignien der Heiligkeit. Er tauscht gerne die Etiketten und labelt andere Glaubensformen zur eigenen Form um. Das macht er gewalttätig im Bildersturm oder sanft in der Missionierung. Monotheismus jeder Form behauptet das Moralmonopol: Der Erfinder der Moral (Mensch) ist als Schöpfer scheinbar unwürdig: Er unterwirft sich seinem eigenen Bilde, wie Feuerbach es klar erkannt hat. Diese Projektion dient nicht zur Beruhigung der Existenzfrage, sondern zu Unterwerfung ihrer willkürlichen Beantwortung. Letztlich ist der Wille Gottes pure Willkür. Der Ratschluß Gottes ist uns immer unbekannt, d.h. im Gesamtzusammenhang unzugänglich.

5. Die Praxis

Im Monotheismus gibt es keine Meetings, keine Termine, bis auf den Anfang und das Ende gesehen. Es gibt also nur Vorlesungen, Anweisungen und Strafgericht für das eigene Unvermögen, um die Pläne Gottes zu durchschauen und daher korrekt zu befolgen. Monotheisten praktizieren darum die „schwanzlose“ ohnmächtige Unterwerfung und erheben den „Schwanz“ (die Rechtfertigung durch ihren Allmächtigen Gott) gegen alle anderen. Monotheismus jeder Form ist mit Demokratie bzw. Regierungseinheit  inkompatibel: Der Helenist Paulus versuchte das mit Römer 13 zu ändern.

6. Inkonsequenzen im Christentum

Römer 13 ist letztlich die Entmessianisierung des Glaubens. Es ist Platonismus und Blasphemie in einem! Die Trennung von Kirche und Staat ist „Irrglaube“ und Gesellschaftsfähigmachung eines Alleinanspruch pflegenden Gottes in einem. Christen machen die Relativierung ihres Allmächtigen nur mit, weil die Geschichte sie immer wieder in der Vergebung durch das Kreuz und durch den Märtytertod belegte. Da es nur einen Gott im Monotheismus gibt, kann es auch nur ein Gesetz und nur eine Realität geben,- und  zwar des einen Gottes. Dies ist eine fatale Anpassungsfalle für alle strenggläubigen Monotheisten, welcher Richtung auch immer. Ihr Glaube prallt immer wieder gegen die Komplexität und Vielschichtigkeit der Welt. Islamisten und fundamentale Christen sind gar nicht so weit auseinander, wie sie immer denken. Nietzsche macht dies immer wieder am multiperspektivischen Erleben der Welt deutlich. Seine Formel „Gott ist tot“ bedeutet eigentlich nur, die „Einseitigkeit ist tot!“

7. Fundamentalismus im Monotheismus

Fundamentalisten sind konsequent! Da Geld ein Glaubenssystem ist (Mt 6,24), wird es auch vom Monotheismus strikt abgelehnt. Geld hat der Menschheit zu dienen, nicht dem Einzelnen. Der Mammonismus war zu allen Zeiten Gegenspieler des Monotheismus. Anbetung mamonas in Form des „Goldenen Kalbes“ ist Urmetapher des Konfliktes. Der Monotheismus ist eben für Gläubige nicht nur ein Glaubenssystem, sondern auch eine Lebensform. Dies will die Aufklärung nicht dulden, noch erlauben.

8. Monotheismus versus Herrschaftsformen

Monotheismus ist letztlich mit jeder Herrschaftsform inkompatibel, die Materíalismus als Grundlage hat; es gilt ja gerade das Reich Gottes und nicht der Menschen zu errichten! Durch die „Zwei-Reiche-Lehre“ versuchte Luther den Monotheismus abzuschwächen und regierbar zu machen. Müntzer lehnte als Fundamentalist dies kategorisch ab! Er holt ihn in die Geschichte zurück. Noch heute kennzeichnet der Absolutheitsanspruch des Papstes und die Dogmen aller abrahamäischen Religionen diese Ausschließlichkeit des Monotheismus.

John Searl über die Ontologie von Glaubenssystemen (Monotheismus, Morphologismus, Mammonismus):

„Ein rätselhaftes Phänomen der sozialen Wirklichkeit ist die Tatsache, dass sie nur existiert, weil wir denken, dass sie existiert. Es ist ein objektives Faktum, dass das Stück Papier in meiner Hand ein 20-Dollar-Schein ist, dass ich ein Bürger der Vereinigten Staaten bin oder dass Giants die Athletics im gestrigen Baseballspiel 3-2 besiegt haben. All dies sind objektive Fakten in dem Sinne, dass sie nicht von meiner Meinung abhängen. Wenn ich das Gegenteil glaube, liege ich einfach falsch. Aber diese objektiven Fakten existieren nur durch eine gemeinsame Akzeptanz oder Anerkennung.“

9. Der Dualismus im Monotheismus

Der Teufel ist eine Erfindung des Monotheismus: Wieso kommt das Böse in die Welt, wenn es nur einen Schöpfer gibt? Um Gott zu entlasten! Was John Searl nicht bedenkt, ist, daß es auch in unserer Intentionalität liegt, etwas nicht mehr glauben zu wollen, z.b.: Der protestantische Monotheismus zerfällt immer wieder in Revoluzzer und Reformatoren. Müntzer und Luther sind polare Beispiele! Die Dualismus des Monotheismus ist seine größte Schwäche und seine beste aber auch blutigste Eigenschaft.

10. Notwendige Dogmen

Bilderverbot des AT ist die Monotheismus-Abwehr des Morphologismus! Monotheisten kennen die Folgen der Morphologie: Götzen und Mammon! Oui, faim et soif de justice…. ou alors ….. vivre en bon chrétien!

11. Die Glaubensrealität

Der Monotheismus verfällt immer wieder dann in einen Dualismus, um Gott durch den Teufel vom Erschaffen des Bösen zu entlasten. Was für eine Kehrtwende! Monotheismus und Dualismus sind eigentlich unvereinbar. Der einzige Gott braucht keine Erklärung für seine Existenz. Er ist die Existenz! ER ist zugleich ihr Geheimnis. Mit dem Einfall des Dualismus in den Monotheismus wird die Rechtfertigung der Existenz der Schöpfung als Werk Gottes eingeleitet. Die Gläubigen sind aber unglücklicher Weise die Nachfahren Kains, nicht Abels!

11. Das Grundübel als Gründungsmythos

Die Erbsünde ist die mißglückte christliche Version von der Gnade der späten Geburt. Spinoza erkennt im Monotheismus hingegen ein perfektes System der ontologischen Begründung von Wissenschaft. Gott ist ein Pfahl im Sumpf der Relativität! Darum erscheint Jahwe als Supervisor der Schöpfung. Gott als Bewahrer der Schöpfung ist auch im Islam oder Judentum eine hoffnungstragende Eigenschaft der Wissenschaft vom Wohle des Menschen…..Christen haben eine  eher besondere Eigenart, weil sie sich selber das Joch der Bewahrung aufgeladen haben: Verzweiflung! (Unitarier Falle, siehe Greenpeace) Sie sind die Besserwisser am Wohle der Welt.

12. Die Stärken

Der strikte Monotheismus entwirft also ein Konstrukt der Geborgenheit durch Ergebenheit und Unterwerfung, um den psychisch labilen Menschen zu stabilisieren und aus der „Hölle“ der Relativiät der Geschichte zu befreien. Darum nannte Nietzsche das Christentum eine Religion der Schwachen!

Aufgrund dieser These wurde ich von einer Twitterin stark angefeindet. Meine Antwort:

Sie kennen nicht mal die klassischen Theodizee-Fragen, haben nen jüdischen Namen und drohen mir mit Anonymous? Ich lach mir nen Loop!

13. Die Systematik des Monotheismus

Die Allmacht des Systems ist eine neue Form der Hybris, an die Verschwörungstheoretiker glauben,- sozusagen der Monotheismus des Technokraten! Häresien sind immer ein schönes Beispiel, um die logischen Grenzen jeden Monotheismus/Fanatismus aufzuzeigen. Die schönste Häresie stammt von den Katharern: Wenn Gott allmächtig ist, so kann er einen Stein schaffen, der so schwer ist, daß

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